Lange habe ich nachgedacht, wann ich meinen ersten Eintrag machen soll; ob noch hier oder schon in Japan, ob eine Woche oder einen Tag vorher. Nun komme ich wiedermal wunderbar spät nach Hause und denke, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um über das Wort Abschied zu sprechen. Es ist zwar noch etwas mehr als eine Woche hin, aber zu reisen heißt auch, sich zu verabschieden; ein Abschied gehört also genauso dazu wie das Flugticket oder die letzten Besorgungen und die Sorge, etwas vergessen zu haben.
In den letzten Wochen habe ich viel über das Wort „Abschied“ nachgedacht (ich hatte auch genug Zeit dazu bei meiner tollen Arbeit *hust hust*). Vor allem nach meiner Abschiedsveranstaltung wurde mir der Begriff immer mehr bewusst und das Gefühl von Abschied wurde greifbarer: ein leeres, dennoch warmes Gefühl in der Brust, welches die Augen feucht hält, aber dennoch nicht wie Trauer zum Weinen bringt. Und obwohl ich noch nicht am Flughafen stehe und mich vom engsten Kreise meiner Familie verabschieden muss, durchlebe ich den Prozess jeden Tag aufs Neue (immer etwas anders). Jeden Tag verabschiede ich mich von meinem Leben hier in der Heimat; sei es der vorerst letzte Abend zusammen mit Freunden in der Schnuppe, der letzte Spaziergang durch die bekannten Gassen, der letzte Kuss einer Geliebten und die herzlichen Umarmungen von Kurzbekanntschaften oder langjährigen Freunden. Dazu die Hoffnung „dass man sich bestimmt nochmal sieht“ oder der fünfte oder sechste Abschied mit Personen, wo man dachte, man sehe sich nicht mehr. Und jedes Mal wird die Brust warm, die Augen feucht und man kommt der Reise immer näher.
Vielleicht ist es auch zu überdramatisch, Abschieden so viel Aufmerksamkeit zu schenken oder „vom letzten Mal“ zu reden, aber im Hier und Jetzt wird es immer das letzte Mal sein. Gerade wir, die mit der Schule fertig sind und sich neu verteilen und neu organisieren, werden nie wieder genau so zusammen kommen. Um dies nochmal zu unterstreichen, will ich einen wunderbaren Klassenkameraden zitieren, der einmal nach der Schule zu mir meinte, dass in diesem Umbruch so viel Potenzial steckt. Er fand es ziemlich schade, ich finde es zu diesem Zeitpunkt sehr beeindruckend, dass etwas so mächtig sein kann, die normalen Gesetze der klassischen Physik zu brechen. Normalerweise sind ja Gravitation und Antigravitation genau gleich stark (ja es wird kurz physikalisch), damit nichts expandiert oder kollidiert. Nun aber befinden wir uns alle in dem Zustand, dass nur noch völlige Expansion möglich ist und das ist schon ziemlich beeindruckend; vielleicht auch schade, aber notwendig. (Zwischen)Menschliche Beziehungen sind (leider) nicht so genau zu berechnen oder gar so einfach zu verstehen (wär vielleicht auch irgendwann zu langweilig). Jetzt entscheidet sich, wer und was bleibt, wie lang oder kurz sich etwas hält.
Ich dachte auch immer, Abschiede seien etwas Trauriges, aber das sind sie nicht (zumindest für mich nicht). Nach meinem Abschiedsabend kamen die Tränen nicht, weil ich traurig war, meine eigentliche, kleine Familie erstmal nicht nah bei mir zu haben. Die Tränen rollten über mein Gesicht aus purer Dankbarkeit:
Ich habe es gefühlt nicht genug Leuten gesagt, aber ich bin für alles und jeden so unfassbar dankbar. Seien es jegliche Erziehungspersonen (dazu zählen auch Lehrer), die Insider in verschiedensten Kreisen oder das Beisammensein der Klasse oder von Freunden; irgendwo haben alle Ereignisse (gute und schlechte) mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin und ich bin so glücklich darüber, dass man es nur schwer in Worte fassen kann. Vor allem weil es keinen besseren Zeitpunkt gibt, um wegzugehen (man soll gehen, wenn es am Schönsten ist … bla bla bla); also gehe ich.
Glockenklänge
Die Glocken läuten zum Abschied; begleiten die Zugvögel auf ihrem Weg.
Ich breite meine Flügel aus und bin bereit, mich von der Musik tragen zu lassen.
Ich bin so stolz auf dich meine kleine Schwester 🤗 sehe schon jetzt das aus der eins kleinen Raupe 🐛 ein wundervoller Schmetterling 🦋 werden wird 🦊 . Ich drücke dir ganz fest die Daumen und freue mich über deine Erfahrungen und Impressionen aus dem Land der aufgehenden Sonne🇯🇵, du weißt immer, dass du auf deine Familie zählen kannst, also darf die Angst der Neugierde weichen und dich in wunderbare Orte begleiten. Ich schließe meine Augen und wünsche mir, dich nach deiner Reise glücklich wiederempfangen zu dürfen🙆🏻♂️ dein Brudi 💗
LikeGefällt 2 Personen