Wie seltsam es doch ist, wenn man mitten in einer Millionenmetropole durch herrlichste Natur schlendert. Kurz aus der U-Bahn ausgestiegen, trat ich ihn ein (künstliches) Paradies. Sei es ein riesiger See mit Kranichen, eine Insel, welche ein Park auf dem See im Park war, eine Burg-Ruine oder ein Schrein, der Ruhepol der Stadt liegt hier. (Ort: Ohori- und Maizuru-Park)
An diesem Ort stand alles still, nur der Wind fegte durch die Haare und erzeugte eine Illusion von Zeit. Noch extremer wurde dies, als ich das erste Mal in meinem Leben einen richtigen Schrein (Gokoku-Schrein) besuchte. Vielleicht fühl ich mich noch zu westlich oder zu anders, aber an dem Schrein stand eine Gebetsanleitung (zwei Mal tief verbeugen, zwei Mal laut klatschen, noch einmal tief verbeugen) und der Atheist in mir traute sich nicht dies durchzuführen. Als ich dann weiterging, bemerkte ich einen Mann, der genau dies machte und dies faszinierte mich total, verstärkte das Gefühl der komplett anderen Welt.
Mich sprach ein Aufseher an, mit dem ich mich kurz unterhielt und welcher mir kurz seine Deutsch-Künste zeigte. Er wünschte mir alles Gute mit den Worten „Welcome to Japan“ und ja, auch das ist Japan: die romantische Sehnsucht zur Natur und zur Ruhe. Danach schlenderte ich weiter, ziellos und getragen vom Wind. Fast verlief ich mich in diesem riesigen Park und landete irgendwann in einem angelegten kleinen Wald, wo der Herbst (leider) bereits seine Folgen zeigte.

Irgendwie schaffte ich es, einen Ausgang zu finden und stand vor der gleichen lauten Stadt; schon tretet man wieder aus der Blase hinaus und spürt die Anstrengung des Alltags und das Altern des Tages.