Es sind jetzt gut zwei Wochen vergangen und so langsam kann ich das Gefühl „Gewöhnung“ in den Mund nehmen. Ein ziemlich positiver Nebeneffekt dieser Gewöhnung ist es, dass nun nichts mehr auf mich hereinprasselt, so dass ich mich nicht komplett überfordert fühle; Input und Output befinden sich glücklicherweise in einem harmonischen Miteinander. Und irgendwie ging das alles ziemlich schnell; ich habe das Gefühl, dass ich hier schon länger wohnen würde. Ich weiß, wann die Züge von welchem Gleis fahren; weiß, wo und wie ich mich anstellen muss; weiß, um dies und jenes Bescheid.
Nun könnte man hier doch von Monotonie oder Ähnlichem sprechen, nur leider sind solche Wörter zu negativ behaftet. Ich habe meinen Alltag, der mich mit am Laufen lässt, so dass nicht nur das System funktioniert, sondern auch ich (ich im System und mein eigenes System): Aufstehen, Zug fahren, Spazieren, Arbeiten, Einkaufen, Zug fahren, Kochen, Essen, Telefonieren, Schlafen. Natürlich mache ich hin und wieder etwas anderes, gucke mir die Stadt an, unterhalte mich auch nicht nur mit meinen deutschen Freunden (auch wenn die Japaner leider etwas zu schüchtern sind und ich mich eher mit Koreanern unterhalte, weil die auch besser Englisch können). Und auch immer noch bin ich stets Zeuge einer unglaublichen Gastfreundschaft: Wo auch sonst (außer hier) bekomme ich ein Angebot für eine Unterkunft für grade mal 5000 Yen (~41€) pro Monat?
Nicht nur dies lässt mich stets lächeln, sondern einfach diese Kleinigkeiten, die Japan so besonders machen: der krasse Zusammenstoß von Frauen in klassischen Kimonos und Mädchen in punkigen, flippigen, neumodischen Outfits; die Verbeugung der Zugführer während der Fahrt (ich frage mich immer noch, ob die sich bei uns bedanken oder wir uns bei ihnen bedanken sollen); die Busse, die mit lautem J-Pop durch die Straßen fahren, um zu werben; die Musik, die von Ampeln an großen Kreuzungen gespielt wird; mein Vergessen über das Höhenprofil, da ich als Norddeutsche nicht gewohnt bin, so oft hoch und runter gehen zu müssen. Und jedes mal, wenn ich das Haus verlasse, verliebe ich mich immer wieder neu in die Ästhetik des Straßenbildes, die von hochhängenden Kabeln und Leitungen geprägt ist.

Es sind zwei Wochen und es tut mir schon so gut, hier zu sein; wahrscheinlich auch dank dieser Kleinigkeiten.