Osaka

Meine Städtetrips neigen sich nun dem Ende entgegen; morgen fahre ich nach Kyoto, um dort drei Monate zu leben (soweit es möglich ist, da durch den Coronavirus das alltägliche Leben immer weiter eingeschränkt wird…). Mit dem Ende dieser „Reihe“ werden auch wieder weniger Einträge folgen; dafür aber wieder nachdenklichere.

Zum letzten Mal, Stadt Nr.4: OSAKA
Vom 20.02. bis zum 02.03. war ich in Osaka, und habe so meine „2 Mio. Einwohner“-Grenze geknackt (in Japan). Natürlich war ich schon mal in Städten mit mehr Einwohnern, aber in Japan hat das ein ganz anderen Flair und ich habe diesen Besuch als Vorbereitung auf Tokyo gesehen (auch wenn Osaka nicht annähernd so groß ist, aber immerhin die zweitgrößte Stadt ist, wenn man Tokyo und Yokohama zusammen zählt). In Osaka hat ich dementsprechend Erlebnisse, die ich noch nie zuvor in Japan hatte; das war anfangs aber auch sehr überfordernd und hat mich sehr müde gemacht…

Einen Tag meines Aufenhaltes verbrachte ich in Nara, der aller-ersten Hauptstadt Japans. Dort wurde ich wieder von zuckersüßen Rehen und prächtigen Tempeln empfangen. Das Wetter war schön, so dass die umliegende Natur einen sehr beruhigenden Effekt hatte. Des Weiteren ist Nara im Vergleich zu Osaka winzig, was die Entspannung nochmals verstärkte. Außerdem bin ich immer wieder vom funktionierenden Bahnnetz fasziniert; in Nullkommanichts ist man mit dem limited-express Zug in einer anderen Stadt, pünktlich und zufrieden (wenn das in Deutschland bloß auch so laufen würde…).
In Nara nutzte ich die Entspannung, um nachzudenken. Auf den Reisen ist mir viel klar geworden, da ich zur Zeit ziemlich viel nachdenke und sehr viele Erkenntnisse ziehe. Zum Beispiel ist mir aufgefallen, was Heimat für mich eigentlich bedeutet, weil ich mich damit noch nie so wirklich beschäftigt habe (hängt auch damit zusammen, dass ich bei meiner Ankunft in Osaka das erste Mal so wirklich Heimweh hatte, weil man sich bei dieser überfordernden Größe wieder in das kleine „200 Tausend Einwohner“ Städtchen zurücksehnt, wo man jede Straße und jedes Gesicht kennt). Wenn man so lange so weit weg ist (es sind jetzt bereits knapp vier Monate), hat man die Chance „von außen“ auf die Heimat zu schauen und so, viel differenzierter und reflektierter nachdenken zu können. So langsam verstehe ich auch immer mehr, was Leute meinen, dass man auf Reisen Selbstfindung betreibt.

Wenn man in Osaka ist, muss man natürlich zum Osaka Castle. Wie bereits gesagt, bin ich aber einfach kein Schlösser- und Burgen-Fan. Zu meiner Überraschung (ich hab mich nicht wirklich informiert) gibt es neben dem Schloss den sogenannten „Plum Garden“, wo jetzt langsam die Pflaumen, die Aprikosen und schon paar Kirschen blühen; es war der Himmel auf Erden… So viele schöne Blumen habe ich selten auf einmal gesehen. Dieser Anblick verstärkte nochmals die Vorfreude auf die Kirschblütenzeit (auch wenn viele Kirschblütenfeste aufgrund des Coronavirus‘ abgesagt werden… naja, die Blüten blühen ja trotzdem).

Nipponbashi

In Osaka gab es für mich viele „Erste Male“; das erste Mal im „Woman Only“-Waggon stehen, das erste Mal ca. 20 min brauchen, um den Ausgang der U-Bahn zu finden, das erste Mal Obdachlosigkeit in Japan erleben und das erste Mal so richtig im Szeneviertel mit den berühmten Neon-Reklamen schwimmen.
Mein Hotel war in der Nähe von der berühmten Den-Den-Town, welche das Herz der Cosplay- und Anime-Szene in Osaka bildet. Da ein großer Teil meiner Kindheit aus Anime bestand, wagte ich mich in die vollen, bunten und lauten Läden rein, welche eine Mischung aus Kindheitstraum und Reizüberflutung in mir auslösten: am liebsten hätte ich jedes Pokémon-Kuscheltier gekauft, hatte danach aber auch derbe Kopfschmerzen.

Faces
During those days, I see way too many faces; they´re just shadows walking over mine.
During those days, I see way too many faces, but I can´t see yours.

Es brauchte seine Zeit bis ich mich an die Fülle und Masse an Menschen, Hochhäusern und U-Bahn-Linien gewöhnt hatte; jedoch kommt es mir jetzt befremdlich vor, dass ich mich die ersten paar Tage eher unwohl gefühlt habe. Dass ich Osaka langsam und entspannt angegangen bin, hinderte mich daran, mich komplett zu verlieren… Tokyo kommt noch (uff, das wird spannend), aber davor tauche ich in eine ganz andere Stadt mit ganz anderer Atmosphäre ab:
Kyoto, ich komme.

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  1. Avatar von chaoslady

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