Bekanntschaften

Ich bin nun einen Monat hier; bin frisch umgezogen und komme immer mehr aus meiner kleinen „social-anxiety“ Schale heraus. Abgesehen davon, dass ich jetzt mit zwei Japanern so richtig unter einem Dach lebe (bin mal gespannt, wie das so auf mich wirkt), lerne ich auch außerhalb viele Leute auf einmal kennen. Nachdem ich drei Wochen kaum Kontakt mit anderen außer meinen deutschen Freunden und meiner Gastgeberin hatte, kommt auf einmal eine Welle voller Bekanntschaften auf mich zu.

Irgendwann merkte ich, dass manches leider nicht von selbst kommt (auch wenn hier vieles wie von selbst passiert und mich dieser Traum geblendet hat); so entschloss ich mich, einen anderen deutschen Work&Traveler anzusprechen und ihn zu fragen, ob man nicht mal was zusammen machen könnte. Als schüchterne Person hat mich das schon ziemlich stolz gemacht, aber ich bin im Ausland und sollte alles mitnehmen, was sich anbietet. In der selben Wochen sprachen mich plötzlich zwei Australierinnen an, die hier ein Praktikum machen, und fragten, ob ich nicht Lust hätte, mit ihnen essen zu gehen. Vielleicht liegt es daran, dass man sich als Fremder in Japan nach Gleichgesinnten sehnt, welche genauso verwirrt und erstaunt über dies und jenes sind, oder es liegt an der Höflichkeit und Freundlichkeit, die von den Japaner auf einen selbst überschwappt (es liegt wohl an beidem).

Darüberhinaus lerne ich viele Leute über das Internet kennen; bevor ich die drei kennengelernt habe, machte ich eine Anzeige auf einer Seite von Fukuoka (ganz nach dem Stile Ultimo), weil ich wirklich befürchtete, alleine zu bleiben. Seit einer Woche melden sich täglich irgendwelche Leute, die einfach etwas mit mir schreiben. Viele sind Amerikaner, aber so langsam trauen sich auch die schüchternen Japaner, über ihren Schatten zu springen. Das lustige daran, man merkt einfach, wenn ein Japaner am anderen Ende des World Wide Web schreibt (abgesehen von den Englisch-Fehlern), die schreiben einfach genauso süß wie sie auch reden \(^.^)/

Des Weiteren ist es von großem Vorteil, gefragt zu werden, ob man mit essen kommt. In Japan zahlt man nicht getrennt und es zahlt immer der, der gefragt hat. So sättige ich meinen Magen mit wunderbar-leckeren Gerichten (die vegetarische Auswahl ist trotzdem jämmerlich) und muss dafür noch nicht einmal zahlen (noch nicht), aber die erlebte Gastfreundlichkeit färbt ab.

Ein (möglicher) Nachteil ist aber, dass mein Gehirn (zumindest der Teil, der für die Sprache zuständig ist) total überlastet ist. Die meiste Zeit rede ich auf Deutsch und auf Englisch; dazu höre ich stetig Japanisch und bringe hier und da auch mal einen japanischen Satz hervor; wenn ich mit meiner Mutter schreibe, kommt dann noch Spanisch dazu und wenn ich dann noch meine französischen Indie-Pop Songs höre, verarbeitet mein Gehirn fünf Sprachen; darunter leidet vor allem die Deutsche (so langsam schleicht sich englische Grammatik in die deutsche und ich rede nicht von Anglizismen).

Dennoch ist es wirklich interessant, zu lernen, wie man Freunde findet und Bekanntschaften macht. In der Schule oder Uni ist es ja selbstverständlich, dass man irgendwann Leute von so kennen lernt, wenn die ganze Zeit aufeinander hockt. Und diese Selbstverständlichkeit nicht zu haben, ist komisch. So heißt es immer wieder, mutig sein und raus aus der Komfort-Zone.

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